Wer kennt nicht das verbreitete (Vor)urteil über den Rollberg als sozialem Brennpunkt. Dabei fühlen sich viele Bewohner sehr wohl in ihrem Viertel. Es gibt kindgerechte Straßen ohne Verkehr, mit Grünflächen, Begegnungsorten und viele soziale Einrichtungen. Der überwiegende Teil der Häuser gehört zum Bestand von STADT UND LAND.
So weit, so gut – wäre da nicht das Problem mit den vielen maroden Wohnungen, deren Architekt einstmals für die Anlage der „weißen Ringe“ prämiert wurde.
Seit vielen Jahren gibt es Missstände in den Häusern, was man schon an den ungepflegten Fassaden mit den zum Teil sehr schadhaften Fenstern sehen kann. Um diesen Mißständen abzuhelfen sowie Nachbarschaftlichkeit und Engagement im Viertel zu stärken, wurde vor ca. drei Jahren der KIEZRAT ROLLBERG gegründet.
Diese Mieterinitiative soll neben den Mieterbeiräten auch die eigene Selbstwirksamkeit der Mieter:innen stärken. Der Kiezrat ist ebenfalls in der LWU-Vernetzung vertreten, an der Mieter, Mieterinitiativen, Mieterbeiräte und Mieterräte aller landeseigenen Wohnungsunternehmen beteiligt sind. Darüber hinaus ist der Kiezrat stark vernetzt mit lokalen Einrichtungen und Akteuren, um Unterstützung für seine Anliegen zu sichern und Bewohner:innen zu aktivieren.
Was die prekäre Müllsituation auf den Straßen betrifft, die von fast allen Mieter:innen beklagt wird, so gab es aus dem Kiezrat heraus mit Unterstützung des Quartiersmanage-ments eine in 4 Wochen angelegte Putzaktion. Einmal wöchentlich wurde die Kopfstraße von Anwohner:innen und einer Gruppe von Menschen mit Behinderung gereinigt.
Dies sollte beispielhaft für das Quartier sein und wird hoffentlich spätestens im nächsten Frühjahr in anderen Straßen fortgesetzt. Auch wenn nachweislich die festgesetzte Norm der Reinigungshäufigkeit von der BSR nicht eingehalten wird, ist es auch an den Bürgern, mehr Achtsamkeit auf die Reinhaltung des öffentlichen Raums zu richten.
Aufgrund der vielfältigen Problemfälle in Wohnungen, die
an uns herangetragen wurden, führen wir seit langer Zeit Türgespräche mit Bewohnerinnen. Aus diesen haben wir Forderungen an STADT UND LAND entwickelt, für die wir dann In den letzten 2 Jahren Unterschriften gesammelt haben.
Die Gespräche nahmen viel Zeit in Anspruch, weil die Bewohner:innen oft vergebens seit langer Zeit eine Antwort von STADT UND LAND auf ihre Beschwerden erwarten und großen Redebedarf hatten. Dabei wurden wir zum Teil mit Härtefällen konfrontiert, die uns sehr nahe gingen.
Besonders gilt dies für Menschen mit Behinderung, die wegen längerfristig kaputter Fahrstühle nicht mehr nach draußen konnten, Mieter:innen, die kein Wasser zur Verfügung hatten, oder in ihrer Wohnung wegen nicht erfolgter Reparaturen ständig im Wasser standen. Nicht zu reden von Schimmelbefall, defekten Schließanlagen und anderen nicht erfolgten Reparaturen.
Bei alldem stand jedoch immer die Klage im Vordergrund, dass STADT UND LAND trotz gegenteiliger Aussagen und Versprechen in ihren öffentlichen Verlautbarungen, für die Mieter.innen nur sehr schwer oder gar nicht erreichbar sei.
Nachdem der Kiezrat 800 Unterschriften gesammelt hatte, wurden die Unterschriftenlisten am 9.10.25 an STADT UND LAND übergeben. Dies fand im Rahmen einer kleinen Demo statt. Zum Auftakt gab es Beiträge zum Mitsingen vom Frauenchor Judith´s Krise. Dieser Chor widmet sich mit seinen Gesängen besonders den Problemen von Mietenden. Es gab Beiträge zu unerledigten Mängeln und eine kleine Ansprache zum Zweck der Veranstaltung.
Nach all den Mühen der Sammlung erzeugten die an einem langen Band aufgereihten Unterschriftenlisten großen Stolz und ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Das Band wurde von den Teilnehmerinnen der Demonstration gemeinsam getragen, so dass eine lange Kette entstand. Angeführt wurde die Kette durch einen Gasballon mit der Aufschrift „Uns reicht´s – Wir vom Rollberg“.
An dem Büro in der Hermannstraße wurden dann die Listen durch zwei Vertreter:innen von STADT UND LAND entge-gengenommen. Es gab ein kurzes Gespräch über die Dringlichkeit vieler Anliegen. Doch außer der Prüfung und dem Willen zur baldmöglichen Behebung der Härtefälle, was aber Zeit in Anspruch nehmen würde, gab es keine verbindlichen Zusagen. Was die Zeit anbetrifft, so warten einige schriftliche Beschwerden schon seit Monaten auf eine Antwort.
Nach den Berichten in drei Berliner Tageszeitungen zur Demonstration und unseren Forderungen, gab es auch eine ausführliche Erwiderung von STADT UND LAND zu den einzelnen Punkten. Dabei wird weiterhin auf die etablierten Prozesse und Kontaktkanäle von STADT UND LAND verwiesen, die sich in so vielen Fällen als nicht tauglich erwiesen haben. So wird der Kiezrat weiter das Gespräch mit STADT UND LAND suchen, damit die Mieter.innen endlich mit ihren Anliegen gehört werden und diese dann auch wirklich zeitgerecht erledigt werden.
PS: Immerhin wurde jetzt ein Fahrstuhl repariert und ein immerwährendes Flurlicht gestoppt.