Ulrich Schiller kam 2019 von der Deutschen Wohnen / VONOVIA zur HOWOGE. Im April 2026 verlässt er die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft und wird “Chief Operating Officer” beim Heizkostenabrechner TECHEM in Eschborn.
In seine Zeit als Vorstand der HOWOGE fällt der massive Zukauf von vielen, unsanierten Wohnungen zu Höchstpreisen von VONOVIA und anderen privaten Konzernen an die kommunale HOWOGE. Die HOWOGE hat seitdem nur wenig Geld in die Sanierung des Bestands gesteckt. Stattdessen wurden viele Neubauten hochgezogen, teilweise auf bisher unversiegelten Flächen und zum Teil auch direkt vor die Fenster der bisherigen MieterInnen und Mieter.
Ein Teil dieser neuen Wohnungen wird dann für 21 €/m² netto kalt vermietet, denn der Wohnungsmarkt gibt es her, wie Schiller weiß. Die Proteste der betroffenen MieterInnen haben den Vorstand nicht groß interessiert. Ulrich Schiller wollte die HOWOGE von früher gut 65.000 Wohnungen auf 100.000 Wohneinheiten vergrößern. Dabei vermindert der (meist teure) Ankauf von vermieteten Wohnungen nicht die weiter steigende Wohnungsnot in Berlin. Das Geld dafür leiht sich die HOWOGE an der Börse. Die Zinsen dieser Anleihen (zwischen 3 und 4%) werden den Mietern belastet.
So ermöglichen wir MieterInnen indirekt die hohen Gewinne bei VONOVIA und anderen privaten Großvermietern.
Als Vorstand verdient Ulrich Schiller jetzt mit über 300.000 EUR in Jahr deutlich mehr als z.B. der Regierende Bürgermeister. In der Berliner Morgenpost vom 7.11. gibt er ganz offen zu, dass er bei der
börsennotierten Techem wohl noch mehr verdienen wird.
Zuletzt war die Kritik an Schiller und der HOWOGE aus allen Richtungen nicht mehr zu überhören. Selbst die CDU hat sich in Lichtenberg eindeutig auf Seiten der Mieter gestellt und fordert schnelle
Verbesserungen. So gesehen verwundert der Abschied zum jetzigen Zeitpunkt nicht.
Die aufgetürmten Probleme muss jemand Anderes lösen.
Mit dem Abgang von Ulrich Schiller als Vorstand der HOWOGE endet nicht nur eine Personalie, sondern ein Kapitel, das für viele Mieterinnen und Mieter von Distanz und Bürokratie (Briefpost muss nach Siegen
gesendet werden) geprägt war. Als aktive MieterInnen richten wir nun den Blick nach vorn – und die Erwartungen sind klarer denn je.
Die Forderungen der Mieterschaft
Kommunikation statt Schweigen
Die HOWOGE muss raus aus den anonymen Hotlines und rein in die Kieze. Mieterinnen und Mieter verlangen Ansprechpartner vor Ort, die zuhören, handeln und Verantwortung übernehmen. Wer Wohnungen verwaltet, muss auch Menschen ernst nehmen.
Sanieren statt Vertrösten
Der Bestand darf nicht länger vernachlässigt werden. Defekte Aufzüge, marode Treppenhäuser, kaputte Wasserleitungen, veraltete Heizungen und fehlende Barrierefreiheit sind keine Nebensache, sondern Alltag
für viele. Investitionen in den Bestand sind überfällig – und sie sind die Grundlage für Vertrauen.
Gemeinwohl statt Renditejagd
Die HOWOGE ist kein börsennotierter Konzern, sondern ein kommunales Unternehmen. Das bedeutet: nachhaltiges Wachstum, faire Mieten und ökologische Verantwortung statt Gewinnmaximierung. Die Stadt
gehört den Menschen, nicht den Bilanzen.
Ein Wendepunkt für Berlin
Der Abschied von Vorstand Schiller ist eine Chance, die HOWOGE neu zu erfinden – als echte Partnerin der Stadtgesellschaft. Ob die neue Führung den Mut hat, diesen Kurswechsel einzuleiten, wird sich zeigen.
Klar ist: Die Mieterinnen und Mieter haben ihre Stimme erhoben. Jetzt liegt es an der HOWOGE, zuzuhören.